
Die besten Tipps für deine Ausrüstung um in die dokumentarische Familienfotografie zu starten
Ich bin bei Weitem kein Technikfreak, ganz im Gegenteil (wenn ihr wüsstet). Ich habe nie die neuste, tollste, teuerste Ausrüstung und ich bin der Überzeugung, dass wir die Bilder mit der eigenen Vision und dem Gespür für den Moment machen, egal mit welcher Technik. Eine meiner Lieblingsbilder sind jedes Jahr die Gewinner der „Cell phone only“ Kategorie beim documentary family award.
Und das ist ja sozusagen der Beweis, dass es keine großartige Kamera braucht für großartige Bilder!
Dennoch gibt es einige Dinge, die sich für mich in den letzten Jahren als Familienfotografin und Geburtsfotografin bewährt haben, und da ich oft danach gefragt werde, kommen nun meine Tipps für eure erste Ausrüstung, wenn ihr euch als Familienfotografin selbstständig machen möchtet.
Gerade keine Zeit? Dann pinne dir den Beitrag für später auf Pinterest!
1. Welche Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen? Eine Vollformatkamera!
Für eine Vollformatkamera spricht vor allem, dass sie lichtstärker ist als die meisten anderen digitalen Kameras, was in vielen Kinderzimmern von Vorteil ist.
Eine Kamera mit Vollformat kann locker mit einem ISO 6.400 und noch viel höher schrauben, ohne dass es Abstriche bei der Bildqualität geben würde (kein Rauschen!). In Schwachlicht-Situationen wie in Innenräumen im Winter sind die Vorteile einer Vollformatkamera sehr deutlich!
Aber auch die vielen Pixel mehr haben natürlich Vorteile: Fotos wirken strahlender, Details fülliger und Farben natürlicher. Außerdem ist bei einer Vollformatkamera die Schärfentiefe geringer, was bedeutet, dass man stärkere Unschärfeübergänge hat (ein Objekt ist scharf, der Rest verschwommen), was viele für die künstlerische Umsetzung ihrer Bilder sehr schätzen.
Ich habe zum Beispiel die Nikon D750, eine Spiegelreflex Vollformatkamera, die noch relativ niedrigpreisig ist im Vergleich zu den meisten anderen Vollformatkameras. Ich habe auch schon viele Geburten mit sehr wenig oder fast keinem Licht fotografiert und bin sehr glücklich mit ihr. Sie ist aber groß und es gibt viele Alternativen – lasst euch da einfach in einem lokalen Geschäft beraten, probiert aus und achtet darauf, wie euch die Kamera in der Hand liegt!
Es gibt mittlerweile auch wirklich großartige spiegellose Kameras mit Vollformatbildsensor, wie zum Beispiel die Sony 7m3 E-Mount, von der meine liebe Kollegin Chiara Doveri schwärmt (ich komme mit ihr nicht zurecht, aber ihr seht, man muss auch einfach verschiedene Kameras ausprobieren).
Tipp: eine Sache finde ich bei einer Kamera noch wichtig, außer dass sie euch gut in der Hand liegt und Lichtstark ist: sie sollte zwei Speicherkartenfächer haben.
2. Welches Objektiv als erstes kaufen? Investiere in lichtstarke Objektive für deine Vollformatkamera
Die meisten kaufen ein Kamera-Objektiv-Set, wenn sie sich das erste Mal eine „richtige“ Kamera kaufen. Die Objektive, die hier meistens in der Kombination dabei sind, sind aber selten wirklich gute Objektive. Deswegen würde ich unbedingt empfehlen, einen Kamerabody und ein oder zwei einzelne Objektive dazu zu kaufen.
Festbrennweite 35mm oder 50mm
Die Objektive sollten lichtstark sein, da du in der ungestellten Familienfotografie ja mit dem Licht arbeitest, das vorhanden ist und gerade innen ist es oft dunkel. Ob ein Objektiv lichtstark ist, erkennst du an der Blendenzahl – bei jedem Objektiv wird die maximale Blende angegeben. Lichtstark nennt man Objektiv, bei denen dieser Wert bei 2,8 oder drunter liegt. Ich würde aber unbedingt ein Objektiv empfehlen, dass 1,8 oder 1,4 als Blendenangabe hat.
Also je kleiner die Zahl ist, desto mehr Licht lässt das Objektiv in die Kamera!
Außerdem würde ich unbedingt eine Festbrennweite empfehlen, also ein Objektiv, mit dem man nicht zoomen kann, sondern das immer gleich weit entfernt ist. Zum einen bekommt man hier wirklich sehr hochqualitative, lichtstarke Objektive für einen sehr guten Preis (man kann für Objektive leicht sehr viel mehr ausgeben als für die Kamera selbst), und zum anderen ist es gerade für den Anfang einfacher, gute Bilder mit einer Festbrennweite zu machen. Man wird weniger von der Möglichkeit zu zoomen abgelenkt und kann sich voll und ganz darauf konzentrieren, das Bild mit dem festen Bildausschnitt zu komponieren.
Klassische Festbrennweiten-Objektive, die sehr lichtstark sind und sich super für die natürliche Familienfotografie eignen, sind das 50mm 1,4 (ein klassisches Porträt-Objektiv) und das 35mm 1,8 (etwas weiter weg, also mehr im Bildausschnitt). Beide sind sehr hochqualitative Objektive, beide sind großartig darin zum Beispiel ein Kind vom Hintergrund zu isolieren (also das Gesicht scharf und der Hintergrund unscharf), und beide werden euch von Anfang an viel Freude bringen werden, versprochen!
Tipp: für die Entscheidung würde ich mir eine Kamera im lokalen Geschäft mit beiden Objektiven leihen und für einige Stunden oder Tage ausprobieren, welches Objektiv mir und meiner Bildvision am ehesten entspricht.
3. Welche Speicherkarten sind für Fotos am besten?
Bei Speicherkarten richte ich mich ganz einfach nach Tests und Bewertungen auf Portalen wie Chip und Stiftung Warentest – so zumindest wenn ich neue kaufe. Nun habe ich aber seit vielen Jahren die Sandisk Extreme Pro 128 GB für meine Nikon D750 und kaufe die immer wieder nach, weil ich sehr zufrieden mit ihnen bin.
Worauf sollte man achten beim Speicherkartenkauf?
Die Geschwindigkeit erkennt ihr an der Bezeichnung „Class“ oder „Geschwindigkeitsklasse“. Achtet hier darauf, dass die Karte hier eine 10 hat.
Auch wichtig für die Schreibgeschwindigkeit ist der Begriff 95 MB/s oder 80 MB/s, der auch auf SD Karten zu finden ist. Achtet hier darauf, dass die Zahl über 80MB/s liegt.
Für die Speicherkapazität würde ich mindestens 64 GB nehmen – vor allem wer in RAW fotografiert (und das sollte jeder!) oder sogar auch filmt.
Tipp: Übrigens sollte man die Bilder auf der Karte nie am Computer löschen! Am sichersten ist es, wenn man die Bilder auf einer externen Festplatte und dem Computer gesichert hat (also doppelt) und die Bilder dann in der Kamera löscht, in dem ihr auf „Speicherkarte formatieren“ geht.
4. Akkus
Bei Akkus bitte immer unbedingt die Original Akkus kaufen! Ich habe schon sehr schlechte Erfahrungen mit anderen Herstellern gemacht. Zu jeder Kamera kommt ja meist ein Akku, ich empfehle aber mindestens einen Akku extra zu kaufen und geladen mit zum Fotoshooting zu nehmen, damit ihr wechseln könnt.
Tipp: ich nehme auch das Ladegerät mit zum Fotoshooting, damit ich den leeren Akku laden kann, während ich mit dem Ersatzakku fotografiere.
5. Eine Kameratasche
Ich habe verschiedenste Kamerataschen ausprobierte. Zum einen habe ich einen sehr großen, sehr teuren Kamerarucksack, in dem mein ganzen Equipment, mein großer Laptop und Gepäck passt. Der Rucksack hat einen richtig gut gepolsterten Rücken und sowohl Brust als auch Hüftgurte, was sehr hilft, wenn ich auf Fotoreise bin und immer und überall meine schwere Kameraausrüstung dabei habe.
Diesen Rucksack nutze ich aber tatsächlich nur für Reisen, weil er für einzelne Shootings für mich einfach viel zu groß ist!
Gerade habe ich mir eine kleine Kameratasche gekauft, die ich zum einen wunderschön finde, und zum anderen hat mir immer eine kleine Tasche gefehlt, die ich auf Spaziergänge oder zu Familienshootings in der Nähe mitnehmen kann, ohne immer mit dem großen Rucksack wie ein Tourist auszusehen.
Es gibt auch Einsätze, die die Kamera schützen und die man einfach in die normale Tasche machen kann. Allerdings habe ich mit diesen Einsätzen immer die Erfahrung gemacht, dass sie nicht krümelfest sind, was ein absolutes No Go für mich (und meine Kamera) ist.
Tipp: ich finde es immer gut, wenn Kamerarucksäcke und Kamerataschen nicht so aussehen, als ob sie die ganze Fotoausrüstung beinhalten. Erstens ist das ja wie ein Kleidungsstück, das ich bei mir trage und mit dem ich mich auch optisch wohl fühlen möchte und zweitens muss ja nicht gleich jeder sehen, dass mein wertvolles Equipment in der Tasche ist…
6. Ein nettes Extra: einen Kameragurt
Ok, das ist wirklich nichts, was man absolut braucht, und schon gar nichts Technisches. Aber ich habe mir gerade diesen wunderschönen Kameragurt von Epiphanie gekauft und bin so glücklich damit. Und da ich meine Kamera so gut wie immer umgehängt habe, stand da meistens groß „NIKON“ in Neongelb auf meiner Brust. Nach all den neongelben-Nikon-Jahren finde ich es wirklich befreiend, nun mit meinem neuen, wunderschön bestickten Kameragurt herum zu spazieren.
Tipp: der Gurt so breit und angenehm, dass ich auch viel weniger Rücken- und Schulterschmerzen vom vielen Kamera tragen habe!
Was gehört für dich zur absoluten Grundausstattung?
Hier findest du hilfreiche Informationen für FotografInnen:
Hier gehts zu meinen kostenlosen Freebies für FotografInnen
Hier findest du Musterverträge für Fotografen